Chronik des SC 1919 Merzenich e.V.


Die Gründerjahre   

Bereits das Jahr 1906 kann als Beginn fußballerischen Geschehens in Merzenich in Ansatz gebracht werden. Doch es dauerte dann noch 13 Jahre, bis sich einige Fußballverrückte ans Eingemachte begaben. Die Geburtsstunde des SC Merzenich 1919 hatte geschlagen.

So kam es, dass in der Schusterwerkstatt Heidbüchel in der Lindenstraße der Sportclub gegründet wurde.

Man wählte die Vereinsfarben schwarz/weiß und bestimmte als Vereinslokal die Gaststätte Vaaßen, Lindenstraße, und als 1. Vorsitzenden Martin Heidbüchel.

 

 

 

 

                         Mannschaft aus den Gründerjahren

 

 

Nun hatten auch die Merzenicher ihren SPORTCLUB, der heute – nach 90 Jahren – aus dem Ortsleben nicht mehr wegzudenken ist.


Der 2. Weltkrieg

Durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde die Entwicklung jäh zerstört. Weit über 100 Mitglieder wurden zu den Waffen gerufen, darunter zwei komplette Mannschaften, so dass der Seniorenbetrieb zwangsweise eingestellt werden musste.

Dass sich dieser Krieg zu einem sechsjährigen Weltbrand ausbreiten würde, konnte niemand ahnen. Nach dem Krieg stand man infolge der Zerstörungen zunächst vor einem Nichts. Viele Mitglieder, auch aktive Spieler, waren gefallen. Andere waren in Gefangenschaft oder wurden vermisst, der Sportplatz war verkommen. Sämtliche schriftliche Unterlagen und alle Andenken aus früheren Jahre waren vernichtet. Zunächst wurde in die Jugendarbeit investiert, um dem Nachwuchs in verstärktem Maße Gelegenheit zu geben, sich im Spielbetrieb zu bewähren. Dies war ein besonderer Verdienst von Willi Otten.

Mit der Wiederaufnahme der Spiele im Jahre 1945 wurde die Gruppenmeisterschaft der Gemeinschaftsklasse errungen. Aber die verdiente und mit mehreren Schreiben des Sportkreises zugesagte höhere Klasseneinteilung konnte durch höheren Beschluss des Verbandes Mittelrhein leider nicht in Erfüllung gehen. So musste der SPORT-CLUB unverständlicherweise Vereinen, denen gegenüber er sich überlegen erwiesen hatte, den Vorrang überlassen.

In zäher Art erkämpfte sich der SPORT-CLUB trotz aller Widerstände in der Saison 1946/47 den Aufstieg in die Bezirksklasse Düren-Jülich. Diese Klassenzugehörigkeit konnte auch in den folgenden Jahren gehalten werden.

Auch seiner Pokaltradition blieb der SCM treu, indem er in den Jahren 1952/1953 Gegner wie Herzogenrath, Merkstein und Fortuna Köln auf die Verliererliste setzte. Mit viel Glück konnte die Vertragsspielermannschaft Düren 99 auf dem Platz am Merzenicher Wasserturm diesem Schicksal entgehen. Vor der stattlichen Kulisse von ca. 3.000 Zuschauern verlor unsere Mannschaft 3:1.

 

In den folgenden Jahren spielte der SPORT-CLUB in der Bezirksklasse eine gute Rolle. Vielfach war er bei Abschluss der Saison in der Spitzengruppe zu finden. In der Spielzeit 1959/60 glückten die Meisterschaft der Bezirksklasse und gleichzeitig der Aufstieg in die zweithöchste Amateurliga. Unglücklicherweise musste die Mannschaft im folgenden Jahr aber wieder in die Bezirksliga absteigen. Verletzungspech innerhalb der Mannschaft war hierfür in erster Linie verantwortlich.

In den meisten Jahren spielte die erste Mannschaft überwiegend in der Bezirksliga, bis plötzlich im Jahre 1959 der erstmalige Aufstieg in die Landesliga gelang. Alteingesessene Merzenicher wie Helmut Dröscher, M. Schallenberg, H.J. Werres, Helmut Bläser, Toni Moll, Kaspar und Matthias Spohr waren damals die Garanten für den Erfolg, ohne dabei die Leistungen der anderen Spieler zu vernachlässigen.

 

Vom Wasserturm zur Bahnstraße

Auch in den folgenden Jahren spielte die 1. Mannschaft in der Bezirksliga eine gute Rolle. Leider musste die bewährte Kampfbahn „Am Wasserturm“ 1962 aufgegeben werden, weil dieses Gelände für eine Siedlungsmaßnahme benötigt wurde. Ersatz erhielt man schließlich, nachdem mehrere Provisorien benutzt werden mussten, durch die neue Sportplatzanlage an der Bahnstraße, welche am 01. April 1964 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Dieser Rasensportplatz wurde 1973 durch die Anlage eines Aschenplatzes mit Flutlichtanlage komplettiert.


Der Abstieg

Die jüngste Vergangenheit ist allgemein bekannt. Leider musste die 1. Mannschaft im Jahre 1976 nach 30-jähriger Zugehörigkeit zur Bezirksklasse absteigen, nachdem sie in der Spielzeit 1971/72 nach Vize-Meister geworden war. Höhepunkt –und dies verdient besonders erwähnt zu werden- war ein im Jahre 1971 durchgeführtes Ablösespiel für unseren Spieler Josef Bläser, wobei der 1. FC Köln mit seiner kompletten Bundesliga-Mannschaft Spielpartner der 1. Mannschaft war. Der FC gewann mit 9:1, und wieder waren wieder über 3000 Zuschauer Augenzeuge der Overaths, Flohes, Cullmanns, Glowaczs, Simmets, Löhrs,etc..

 

 

 

 

Chronik von 1995 – 2009

 

In den Jahren von 1994 bis 1998 fristete der SCM ein eher tristes Dasein, was die sportlichen Erfolge der 1.Mannschaft betraf. In den folgenden vier Jahren kam man nicht über einen Mittelfeldplatz hinaus, wobei der 8. Platz 1996 noch die beste Platzierung bedeutete. Stattdessen erlebte in der Spielzeit 95/96 die Reserveelf des SCM eine überaus positive Saison. Unter Spielertrainer Hannes Seiffert holte sich die Mannschaft den Titel in der Kreisliga C und spielte anschließend vier Jahre mit abwechselndem Erfolg in der Kreisliga B.

In der Saison 98/99 verpflichtete Vorsitzender Toni Moll einen ehemaligen Schützling aus seiner Niederauer Zeit, den gebürtigen Nörvenicher und früheren Merzenicher Jugendspieler Christian Gillessen als Spielertrainer, der zuvor beim Oberligisten TuS Langerwehe seine eigene sportliche Karriere beendet hatte. Direkt in seinem ersten Jahr als SCM-Trainer gelang ihm mit der Mannschaft der überraschende, aber seit langem vom Verein erhoffte Wiederaufstieg in die Bezirksklasse.

Leider konnte die Mannschaft in dieser Klasse nur ein Jahr seine Künste zeigen, denn am Ende der Saison 99/00 wurde man Drittletzter und musste wieder den bitteren Weg zurück in die Kreisliga A antreten.

Ein weiterer ehemaliger Niederauer Spieler übernahm dann die Geschicke des Klubs auf dem Rasen.  Der aus Kelz stammende Jörg Schulz formte direkt in seinem ersten Jahr erneut eine gut funktionierende Truppe als Spielertrainer und der SCM belegte im Mai 2001 unangefochten und mit weitem Vorsprung den 1. Platz der A-Liga. Wegen der Neustrukturierung des Fußballverbandes und der Zusammenlegung der beiden Fußballkreise Düren und Jülich durfte unglücklicherweise und noch nie da gewesen der Meister der Kreisliga A nicht automatisch aufsteigen in die Bezirksklasse. Dies bescherte dem Klub dann zwei Play-off Spiele  gegen den Viertletzten aus der Bezirksliga, Rhenania Mariaweiler. In zwei atemberaubenden tollen Spielen „vergeigte“ unsere Elf innerhalb kürzester Zeit den im Rückspiel sicher geglaubten Aufstieg. Nach einem 3:2 Sieg im Hinspiel in Merzenich ging man nicht gerade als Favorit in die Partie beim klassenhöheren Kontrahenten, aber nach 60 Minuten führten wir mit 2:0. Als dann auch noch unser Torwart Ingo Heidbüchel einen Elfmeter parierte, schien der Aufstieg nur noch eine Frage der Zeit, denn der psychologische Vorteil lag nun auf unserer Seite. Doch innerhalb von wenigen Minuten glich Mariaweiler nach Abwehrfehlern aus und schafft quasi in der allerletzten Sekunde der Nachspielzeit das demoralisierende 3:2. In der notwendig gewordenen Verlängerung gelang Mariaweiler das alles entscheidende 4:2-Siegtor und hinterließ damit eine völlig frustrierte Merzenicher Elf.

In den Folgejahren konnte die Elf dieses Trauma nicht so wirklich ablegen und die Platzierungen nahmen aufgrund von personellen Aderlässen und motivationalen Aspekten in der Höhe ständig zu. Nach Platz 3, 5 und 9 in den Jahren 2002 bis 2004 geriet der SCM 2005 erneut aufs Abstellgleis und belegte den vorletzten Tabellenplatz in der Kreisliga A. Seit dem befindet sich unsere 1. Mannschaft in der Findungsphase und gespickt mit vielen jungen Talenten aus der eigenen Jugend gelang es bislang nicht, die Kreisliga B wieder zu verlassen.

Auch unser früherer Erfolgscoach, Walter Ernst, den der neue 1. Vorsitzende Josef Jonas 2007 verpflichtete, schaffte in den beiden letzten  Jahren leider „nur“ Platz zwei, da man sich jeweils einer einzigen besseren Mannschaft(Arnoldsweiler II/SG Nörvenich/Hochkirchen) geschlagen geben musste.

In dieser Spielzeit haben die Spieler des SCM jedoch einen wahnsinnig guten Start hingelegt und bis zum Aufeinandertreffen mit Oberzier, ebenfalls 10 Mal siegreich, eine phantastische Punkt- und Torausbeute als Grundlage geschaffen. Walter Ernst ist es wieder gelungen, die jungen Spieler mit einer tollen Spielkultur auszustatten und man kann gespannt sein, ob in diesem Jahr der ersehnte Aufstieg endlich perfekt gemacht werden kann.

Es wäre zumindest schön, wenn im Jahr des 90-jährigen Bestehens zumindest schon die Grundlagen dazu gelegt werden könnten. Sollte der Aufstieg tatsächlich gelingen, wäre dies ein wichtiger Beweis für unsere engagierte Jugendarbeit. Und eines ist allen klar, ein Ort wie Merzenich gehört einfach in höhere Klassen.

Parallel dazu und ebenso erfreulich ist in dieser Spielzeit das Auftreten der 2. Mannschaft zu nennen, die ebenfalls 10 Spiele in Serie siegreich beendete und unter ihrem neuen Trainer Roland Hansen den Aufstieg in die Kreisliga B anstrebt.

Wer weiß, vielleicht erlebt Merzenich ja einen überaus tollen Frühling ein Jahr nach dem Jubiläum und schafft mit beiden Teams die Sensation in ihren schwierigen Gruppen. Mit voller Vorfreude auf die Weltmeisterschaft in Südafrika könnten wir dann ja schon einmal feiern.

Last but not least gilt es auch zu erwähnen, dass der SCM seit letztem Jahr im Kreis Düren zu den Vereinen gehört, die die meisten Mannschaften im Seniorenbereich stellen. Denn seit eben dieser Zeit ist auf unserer Platzanlage eine 3. Mannschaft aktiv, die mit Lust und Laune, jedoch ohne große Aufstiegsambitionen, jedes Wochenende ihr Können unter Beweis stellt und den Verein nach außen positiv vertritt. Auch dieser Mannschaft, die ebenfalls überwiegend aus Merzenicher jungen Männern besteht, gibt der Verein die Möglichkeit, sich in sportlich fairem Wettkampf zu messen, auch wenn dies insgesamt dazu führt, dass man im finanziellen Bereich einen gewaltigen Spagat unternehmen muss, um die laufenden Kosten des Spielbetriebes zu bewältigen.

 

 

Wie aus dieser Chronik hervorgeht, ist der SCM, wie viele andere Vereine im Amateurbereich zeigen, ebenfalls ein Beispiel von guter Kontinuität. Die meisten Posten des Vorstandes wurden bislang oft von engagierten, ehrenamtlich tätigen Personen über viele Jahre bekleidet. Besonders hervorzuheben wäre dabei der jetzige Ehrenvorsitzende Peter Weber, der das Amt des 1. Vorsitzenden über 11 Jahre inne hatte. Zudem wirkte er 4 weitere Jahre als 1. Kassierer für den SCM. Auf 10 Jahre Vorsitz kommt Toni Moll von 1993 bis 2003, aber den längsten Vorstandsposten lag in den versierten Händen von Manfred Leibel, der insgesamt über 20 Jahre Geschäftsführer des Klubs gewesen ist (1984-2005). Der jetzige Vorsitzende Josef Jonas kommt inzwischen auch immerhin auf 12 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit, denn vor seinem Amt als Vorsitzender war er bereits vier Jahre 2. Vorsitzender und vier Jahre Spielobmann.

Von 1965 bis 1968 versuchte es Matthias Klein über 12 Jahre, als Kassierer an das so dringend gebrauchte Geld der Mitglieder zu gelangen.

Dies beiden letzten Statistiken verdanken wir im übrigen dem ehemaligen Vorsitzenden Paul Böhr (insgesamt 10 Jahre aktiv im Vorstand), der in akribischer Arbeit die Geschichte des Vereins aufgearbeitet hat. Hierzu vielen Dank.

 

Wenn man diese oben erwähnte Kontinuität in der Vorstandsarbeit als positiv beschreibt, darf man allerdings auch nicht außer Acht lassen, dass ein Verein Probleme hat, genügend Helfer und einsatzbereite Mitarbeiter findet, die mit neuen Ideen und alternativen Ansätzen einem Verein ebenso gut tun würden. Jeder Verein mit dieser Mitgliederstruktur, wie sie der SCM aufweist, ist auf Ihre Hilfe angewiesen, damit auch weiterhin die Kinder und Jugendlichen von den Straßen geholt werden und ihnen ein Wirkungs- und Betätigungsfeld bereit gestellt werden kann. Dazu ist auch die Gemeinde Merzenich aufgerufen, den Verein nicht im Regen stehen zu lassen und ihn als Auffangbecken auch für sozial schwache Familien zu unterstützen.


 

 

 

   
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